Finanzplanung als Problemlöser beginnt mit einer einfachen Frage: Welches finanzielle Problem soll eigentlich gelöst werden? Erst wenn diese Frage beantwortet ist, lohnt es sich, über Geldanlagen, Immobilien, Versicherungen oder andere Finanzprodukte zu sprechen.
Dennoch erleben viele Menschen genau das Gegenteil. Kaum wird das Thema Vermögensaufbau oder Altersvorsorge angesprochen, beginnt die Diskussion über ETFs, Immobilien, Gold oder bestimmte Versicherungen. Das eigentliche Ziel gerät dabei häufig in den Hintergrund.
Die Finanzbranche verkauft häufig Antworten
Die Finanzbranche ist traditionell produktorientiert. Das ist zunächst nachvollziehbar. Banken verkaufen Konten und Wertpapiere, Versicherungen verkaufen Versicherungen und Immobilienunternehmen verkaufen Immobilien.
- Doch Produkte beantworten keine Fragen.
- Sie lösen – wenn überhaupt – nur ganz bestimmte Probleme.
Wer beispielsweise wissen möchte, ob er fünf Jahre früher in den Ruhestand gehen kann, erhält auf diese Frage keine Antwort durch einen ETF oder eine Eigentumswohnung. Diese können Teil der Lösung sein, beantworten die Frage aber nicht.
Experten beginnen mit dem Problem
Interessanterweise gilt dieses Prinzip nicht nur in der Finanzplanung.
Untersuchungen aus der Entscheidungsforschung zeigen, dass Experten komplexe Aufgaben anders angehen als weniger erfahrene Personen. Sie investieren zunächst Zeit in die richtige Strukturierung des Problems und suchen erst anschließend nach einer geeigneten Lösung. Gerade dadurch treffen sie häufig bessere und effizientere Entscheidungen.
“ Experts solved the problem in less time using fewer overall steps to complete the task, appearing much more goal-directed than novices who engaged in complicated information search strategies which lacked both coherence and efficiency. Moreover, at the outset of the task, experts requested higher-level task information than novices,“ (Experten lösten das Problem in kürzerer Zeit mit weniger Gesamtschritten, um die Aufgabe zu erledigen, und schienen viel zielgerichteter als Anfänger, die komplizierte Informationssuchstrategien verfolgten, die sowohl Kohärenz als auch Effizienz fehlten. Darüber hinaus forderten Experten zu Beginn der Aufgabe hochrangige Aufgabeninformationen als Anfänger an.) Zitat aus ScienceDirect; Abstract zu The effects of expertise on financial problem solving: Evidence for goal-directed, problem-solving scripts, Douglas A Hersheyund andere , 1988/2004
Finanzplanung als Problemlöser zeigt auch: Es gibt nicht – ganz allgemein – die beste Geldanlage
Eine Frage begegnet uns regelmäßig: „Welche Geldanlage ist derzeit die beste?“ Die Antwort fällt oft überraschend aus: Es gibt keine allgemein beste Geldanlage. Es gibt lediglich Lösungen, die zu einem bestimmten Menschen, einem bestimmten Ziel und einem bestimmten Zeitpunkt passen.
Ein Unternehmer kurz vor dem Verkauf seines Unternehmens benötigt eine andere Strategie als eine Familie mit kleinen Kindern oder jemand, der in wenigen Jahren in den Ruhestand gehen möchte.
Wer ausschließlich nach Rendite sucht, übersieht häufig andere entscheidende Faktoren:
- Wann wird das Geld benötigt?
- Welche Verluste können tatsächlich verkraftet werden?
- Welche Liquiditätsreserve ist erforderlich?
- Welche steuerlichen Folgen entstehen?
- Welche Auswirkungen ergeben sich für Erben oder Angehörige?
Finanzplanung ist weit mehr als Vermögensanlage
Auch die wissenschaftliche Literatur versteht Finanzplanung deutlich umfassender als nur eine reine Anlageberatung (1). Sie umfasst unter anderem Liquiditätsplanung, Risikomanagement, Vermögensaufbau, Steuerplanung, Nachfolgeplanung und Ruhestandsplanung. Erst das Zusammenspiel dieser Bereiche ermöglicht eine langfristig tragfähige Finanzstrategie. Genau deshalb kann dieselbe Geldanlage für zwei Menschen gleichzeitig richtig und falsch sein. Nicht das Produkt entscheidet, sondern das Problem, das gelöst werden soll. Auch wenn unsere Private-Finanzen-Webinare thematisch aufgebaut sind, so berücksichtigen sie doch immer die hier genannten Aspekte der Finanzplanung.
Die eigentliche Dienstleistung ist die Finanzplanung
Aus unserer Sicht wird Finanzplanung häufig missverstanden:
- Sie ist keine Vorbereitung auf den Verkauf eines Finanzprodukts.
- Sie ist die eigentliche Dienstleistung.
Am Anfang stehen Ziele, Wünsche, Risiken und Lebenspläne. Erst daraus entsteht eine Strategie. Und erst danach stellt sich die Frage, welche Werkzeuge diese Strategie sinnvoll umsetzen können. Das kann ein Investmentfonds sein. Eine Immobilie. Eine Versicherung.
Oder auch die Erkenntnis, dass zunächst überhaupt kein neues Produkt benötigt wird.
Unser Fazit
Die OECD weist seit Jahren darauf hin, dass Menschen immer mehr Verantwortung für ihre eigenen finanziellen Entscheidungen übernehmen müssen (2). Gleichzeitig erschweren mangelnde Finanzkompetenz und typische Verhaltensmuster gute Entscheidungen. Gerade deshalb gewinnt eine strukturierte Finanzplanung an Bedeutung.
Wer Finanzplanung als Problemlöser versteht, sucht deshalb nicht nach der vermeintlich besten Geldanlage. Er sucht nach der besten Lösung für ein konkretes finanzielles Problem. Und genau darin sehen wir den eigentlichen Auftrag einer guten Finanzplanung. Testen Sie unsere Angebote für Ihre persönliche Finanzberatung. Vereinbaren sie dazu gleich hier Online ein kostenfreies Erstgespräch – telefonisch, online oder in unserer Hamburger Geschäftsstelle:
Links:
(1) Günther Schmidt, Persönliche Finanzplanung , Modelle und Methoden des Financial Planning, Springer Gabler, 2016
(2) OECD, Finanzkompetenz in Deutschland stärken, 2024







