Emotionale Fehler beim Investieren entstehen häufig nicht beim Einstieg, sondern in dem Moment, in dem es unangenehm wird: beim Verkauf. Genau das wurde uns auf einer Veranstaltung mit drei Fondsgesellschaften noch einmal sehr klar – und wir nehmen solche Impulse bewusst mit, weil wir laufend bei Veranstaltungen vor Ort sind und direkt mit Fondsmanagern sprechen.
Eine Frage aus dem Publikum war „nett“ formuliert, aber treffend:
„Was tun Sie dagegen, sich in ein Unternehmen zu verlieben, dessen Aktien Sie halten?“
Die Standardantwort: Man wähle rational nach Zahlen und Fakten, daher bestehe diese Gefahr nicht. Spannend war die ehrlichere Ergänzung eines Fondsmanagers: Das Problem zeigt sich eher bei der Frage, wann nach einer negativen Nachricht verkauft werden soll. Wenn man das Unternehmen gut kennt und bewusst ausgewählt hat, besteht die Gefahr, zu lange zu halten.
Warum emotionale Fehler beim Investieren besonders beim Verkaufen auftreten
Beim Kauf fühlt sich vieles kontrollierbar an: Analyse, Kennzahlen, Story, Entscheidung. Beim Verkauf dagegen kollidieren Fakten mit Psychologie. Typische Muster:
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„Das wird schon wieder“: negative Nachrichten werden relativiert, weil man die ursprüngliche These gut kennt.
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„Ich will den Verlust nicht realisieren“: Verluste werden ausgesessen, obwohl die Lage sich strukturell geändert hat.
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„Ich gebe der Aktie noch Zeit“: aus Loyalität zur eigenen Entscheidung oder Sympathie fürs Unternehmen.
Das Ergebnis: Emotionale Fehler beim Investieren können die Depotstruktur tatsächlich verändern – nicht nur über einzelne Titel, sondern über das Gesamtrisiko, weil Verluste „kleben bleiben“.
Regeln statt Bauchgefühl: Wie Verlustgrenzen Entscheidungen entemotionalisieren können
Unsere These ist: Wenn ein Depot nicht primär über Renditeideen gebaut wird, sondern über maximale Verluste und verbleibendes Risikopotenzial, kann man rationaler entscheiden.
Das ist im Kern richtig – weil die Entscheidung nach vorne gezogen wird: Wir definieren die Regeln, bevor Stress und Rechtfertigungen einsetzen. Praktisch heißt das:
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Maximalverlust je Position / Baustein (z. B. in % oder Euro)
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Risikobudget fürs Gesamtdepot
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laufende Bewertung des verbleibenden Risikopotenzials (simple Rechenlogik reicht oft)
Dann lautet die Frage bei schlechten News nicht mehr: „Mag ich das Unternehmen noch?“
Sondern: „Passt die Position noch in das Risikobudget – ja oder nein?“
Genau hier reduzieren klare Regeln emotionale Fehler beim Investieren spürbar. (Was sich seit einigen Jahren insbesondere in unserem Musterdepot „Chancen wahrnehmen“ innerhalb der Helvetia-Fondspolice gezeigt hat.)
Die wichtige Einschränkung: Verlustgrenzen sind kein Autopilot
So ein Regelwerk kann auch neue Fehler erzeugen, wenn es zu mechanisch ist:
- Zu frühes Verkaufen durch kurzfristigen Lärm (Volatilität wird mit These-Bruch verwechselt)
- Whipsaw-Effekte (raus – rein – raus), wenn Grenzen zu eng sind oder Liquidität/Spread ignoriert wird
Deshalb funktioniert das Prinzip am besten als Kombination aus:
1) Risikoregel (mechanisch)
Maximalverlust / Risikobudget / Rest-Risiko klar definieren.
2) Review-Regel (inhaltlich)
Vorher festlegen: Was wäre ein echter These-Bruch?
Beispiele (je nach Strategie): Margenbruch, Bilanzthema, Governance, dauerhaft veränderte Nachfrage, regulatorischer Einschnitt.
So wird verhindert, dass entweder zu lange gehofft oder zu schnell kapituliert wird.
Anmerkung zu unseren Musterdepots: Auch wenn die bisherige Empirie für dieses Vorgehen spricht und zu den gewünschten Ergebnissen geführt hat, kann natürlich keine Garantie für den Erfolg in der Zukunft gegeben werden.
Fazit: Emotionale Fehler beim Investieren werden kleiner, wenn Regeln vor dem Stress stehen
Wer konsequent über maximale Verluste und Risikobudgets steuert (statt nur über Renditeziele), schafft einen Rahmen, der in Stressphasen rationaler bleibt. Das verhindert nicht jede Fehlentscheidung – aber es senkt die Wahrscheinlichkeit, dass Sympathie, Hoffnung oder Selbstrechtfertigung das Depot steuern.
Und genau deshalb besuchen wir laufend Veranstaltungen und bringen solche Praxisbeobachtungen in unsere Arbeit ein: Nicht als „Guru-Wissen“, sondern als Realitätscheck, wo Psychologie den Prozess wirklich angreift.
Bonus: Kurze FAQ
Was sind die häufigsten emotionalen Fehler beim Investieren?
Zu lange an Verlierern festhalten, zu früh Gewinne mitnehmen, nachkaufen aus Trotz/Hoffnung, Verkauf aus Panik.
Hilft eine Stop-Loss-Regel immer?
Sie hilft gegen „Aussitzen“, kann aber bei zu engen Grenzen zu häufigem Rein/Raus führen. Besser: Stop/Limit + These-Review kombinieren.
Wie kann man emotionale Fehler beim Investieren reduzieren?
Vorab-Regeln (Risikobudget, Max-Verlust), klare These-Bruch-Kriterien, regelmäßige Reviews, Dokumentation der Kaufthese.
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