Wie hoch könnte der Verlust eines Fonds in einer schwierigen Marktphase ausfallen? Für Anleger ist diese Frage häufig wichtiger als eine möglichst hohe theoretische Rendite.
FORAIM untersucht deshalb nicht nur Rendite und Schwankungsbreite eines Fonds. Wir betrachten insbesondere seinen historischen Drawdown – also den zwischenzeitlichen Verlust vom vorherigen Höchststand bis zum folgenden Tiefpunkt – und die Dauer, bis dieser Verlust wieder aufgeholt wurde.
Dabei prüfen wir auch, ob der Fonds mit seiner heutigen Strategie in den entscheidenden Stressphasen überhaupt schon existierte. Ein Fonds, der erst nach der Corona-Krise oder dem gleichzeitigen Einbruch von Aktien und Anleihen im Jahr 2022 aufgelegt wurde, besitzt möglicherweise einen überzeugenden, aber noch nicht ausreichend erprobten Verlauf.
Was Monte-Carlo-Simulationen zusätzlich zeigen
Wie wichtig diese Einordnung ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung von Francesco Landolfi (1). Mithilfe aufwendiger Monte-Carlo-Simulationen – also zahlreicher rechnerisch erzeugter möglicher Marktverläufe – untersucht er, wie sich Verluste bei unterschiedlichen Renditeverteilungen entwickeln können.
Sein Ergebnis: Fonds oder Anlagestrategien mit ähnlicher Rendite und Schwankungsbreite können dennoch sehr unterschiedliche Verlustrisiken besitzen. Seltene Extremverluste, mehrere aufeinanderfolgende unruhige Marktphasen und längerfristige Abhängigkeiten werden von üblichen Kennzahlen nicht immer angemessen erfasst.
Das gilt besonders für spezialisierte und teilweise derivative Anlagestrategien.(2) Deren Verlauf kann lange Zeit sehr gleichmäßig erscheinen, obwohl besondere Risiken vorhanden sind, die in der bisherigen Fondshistorie noch nicht aufgetreten sind.
Von der wissenschaftlichen Untersuchung zur praktischen Fondsanalyse
Was Landolfi mit erheblichem mathematischem Aufwand untersucht, übersetzt FORAIM in praxisnahe Fragen:
- Welche echten Krisen hat der Fonds bereits durchlaufen?
- Bestand damals bereits die heutige Anlagestrategie?
- Wie hoch waren der maximale Verlust und die anschließende Erholungsdauer?
- Welche Risiken könnten in der bisherigen Historie noch nicht sichtbar geworden sein?
- Passt der Fonds auch unter ungünstigeren Annahmen zur angestrebten, nicht garantierten Verlustgrenze des gesamten Depots?
Historische Verluste erlauben keine sichere Vorhersage. Sie werden aber wesentlich aussagekräftiger, wenn man sie wirtschaftlich einordnet, statt lediglich eine einzelne Kennzahl zu übernehmen.
Unser Grundsatz lautet daher: Eine Verlustgrenze entsteht nicht aus einem mathematischen Versprechen. Sie beruht auf einer vorsichtigen Auswahl unterschiedlicher Anlagen, ausreichender Liquidität und der kritischen Prüfung, welche Risiken bisher möglicherweise noch gar nicht aufgetreten sind.
Links, Quellen und Anmerkungen:
(1) Francesco Landolfi, Drawdown Risk Beyond Brownian Motion: A Monte-Carlo Framework, Non-Gaussian Extensions, and Long Memory, 31. Juli 2026. Die Veröffentlichung ist ein bislang nicht wissenschaftlich begutachtetes Preprint. Originalarbeit auf arXiv
(2) Hierzu gehören beispielsweise Long/Short-, Managed-Futures- und Trendfolgestrategien sowie Fonds, die Optionen oder Volatilitätsstrategien einsetzen. Solche Anlagen können zur Diversifikation beitragen, weisen aber teilweise nichtlineare und aus kurzen historischen Zeitreihen schwer erkennbare Risiken auf.







