Kurz erklärt: Was ist das genau und was bedeutet Liquiditätsrisiko bei Investmentfonds: Was Mittelabflüsse verändern konkret für Anleger. : Ein Fonds kann heute ausreichend liquide sein und nach größeren Mittelabflüssen dennoch Probleme bekommen. Denn Rückgaben werden häufig zunächst aus den handelbaren Anlagen finanziert. Dadurch steigt automatisch der Anteil der schwer verkäuflichen Investments. Anleger sollten deshalb nicht nur die aktuelle Zusammensetzung, sondern auch Fondsvolumen, Mittelbewegungen und die Gewichtung im eigenen Depot beobachten.
Warum können Mittelabflüsse einen Fonds illiquider machen?
Der von KKR verwaltete Diversified Assets Fund von St. James’s Place zeigt, wie wichtig diese Frage ist. Nach schwacher Wertentwicklung und hohen Rückgaben soll der Fonds geschlossen werden. Der Anbieter erklärte, die Abflüsse hätten es erschwert, private Anlagen bis zu den ursprünglich vorgesehenen Veräußerungsterminen zu halten. Mitteilung von St. James’s Place
Die Mechanik lässt sich an einem vereinfachten Beispiel zeigen:
- Fondsvermögen: 100 Millionen Euro
- davon illiquide Anlagen: 20 Millionen Euro
- Mittelabfluss aus liquiden Beständen: 30 Millionen Euro
- verbleibendes Fondsvermögen: 70 Millionen Euro
- neue Illiquiditätsquote: knapp 29 statt 20 Prozent
Der Fonds hat keine weiteren privaten Anlagen erworben. Trotzdem ist sein Liquiditätsrisiko gestiegen.
Schützt eine Begrenzung der Investitionsmöglichkeiten von institutionellen Anlegern in den Fonds?
Ein Ansatz besteht darin, große Einzelzuflüsse und damit die Abhängigkeit von wenigen institutionellen Anlegern zu vermeiden. Nach eigener Darstellung verfolgt beispielsweise das Management des hier als A…a-Fonds bezeichneten Multi-Asset-Fonds diesen Gedanken. Der Fonds kann neben Aktien, Anleihen und Edelmetallen auch Private Equity sowie Wald- und Agrarinvestments halten.
Eine breit gestreute Anlegerstruktur kann helfen: Der Rückzug eines einzelnen Großanlegers gefährdet dann nicht sofort die Liquidität des gesamten Fonds. Vollständig gelöst wird das Problem dadurch aber nicht. Auch viele Privatanleger können gleichzeitig verkaufen – etwa nach schwacher Wertentwicklung oder allgemeiner Marktverunsicherung.
Bei Fonds mit weniger liquiden Anlagen sollten deshalb insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:
- Wie hoch ist die aktuelle Quote schwer veräußerbarer Anlagen?
- Wie hat sich das Fondsvolumen entwickelt?
- Bestehen seit längerer Zeit Nettomittelabflüsse?
- Wie hoch wäre die Illiquiditätsquote nach einem weiteren Mittelabfluss von 20 oder 30 Prozent?
- Welche Rücknahmebeschränkungen oder Aussetzungsmöglichkeiten sind vorgesehen?
- Welchen Anteil nimmt der Fonds im gesamten Kundendepot ein?
Auch ein grundsätzlich interessanter Fonds kann problematisch werden, wenn er innerhalb des Gesamtvermögens zu hoch gewichtet wird.
Kann eine höhere Liquiditätsquote Verluste begrenzen?
Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung von Nikhil Devanathan, Alexandros Tzikas und Stephen Boyd kombiniert Aktien, Anleihen und Gold mit Cash. Steigt die gemessene Volatilität, wird das Gewicht der Risikoanlagen reduziert und die Liquiditätsquote erhöht. Im Backtest für 2006 bis 2026 verbesserten sich dadurch die risikobereinigten Ergebnisse und die historischen Drawdowns. Studie: Simple Dynamic Stock/Bond/Gold Portfolios
Der wirtschaftliche Gedanke ist nachvollziehbar: Wenn das gemessene Risiko zunimmt, wird nicht lediglich zwischen verschiedenen Risikoanlagen umgeschichtet. Ein Teil des Vermögens wird tatsächlich dem Marktrisiko entzogen.
Eine feste Verlustgrenze entsteht dadurch allerdings nicht. Die Berechnung beruht auf vergangenen Schwankungen. Bei einem plötzlichen Einbruch kann das Modell erst reagieren, nachdem bereits Verluste entstanden sind. In schnell wechselnden Märkten besteht zudem die Gefahr, nach einem Rückgang zu verkaufen und eine anschließende Erholung teilweise zu verpassen.
Was macht FORAIM ähnlich – und was anders?
Die Gemeinsamkeit liegt in der Bedeutung der Liquidität. Auch FORAIM betrachtet schwankungsarme und kurzfristig verfügbare Anlagen als eigenständigen Bestandteil der Risikosteuerung – und nicht als unproduktiven Rest. Der Unterschied liegt im Ausgangspunkt: Das wissenschaftliche Modell steuert auf eine bestimmte Volatilität zu. FORAIM beginnt dagegen mit der individuellen Finanz- und Liquiditätsplanung:
- Welches Kapital könnte innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre benötigt werden?
- Welche zwischenzeitlichen Verluste kann der Anleger wirtschaftlich und persönlich tragen?
- Welche – nicht garantierte – Verlustgrenze soll für das gesamte Depot gelten?
- Welche Fonds und Anlagen bleiben auch in einer Stressphase tatsächlich steuerbar?
Die Anpassungen erfolgen daher nicht automatisch nach einem einzigen mathematischen Signal. Liquiditätsbedarf, Fondsstruktur, Verlusttragfähigkeit und wirtschaftliche Einschätzung werden gemeinsam betrachtet.
Mehr dazu:
Fazit: Welche Kennzahlen sollten Anleger beobachten?
Nicht nur Rendite, Volatilität und historische Verluste entscheiden über die Belastbarkeit eines Fonds. Ebenso wichtig sind:
- die tatsächliche Veräußerbarkeit der Anlagen,
- die Entwicklung des Fondsvolumens,
- anhaltende Mittelzu- oder Mittelabflüsse,
- mögliche Rücknahmebeschränkungen,
- und die Gewichtung des Fonds im Gesamtvermögen.
Liquidität ist keine unveränderliche Produkteigenschaft. Sie verändert sich mit dem Verhalten der Anleger und kann gerade dann knapp werden, wenn sie am dringendsten benötigt wird.







