Institutionelle Anleger – auch Versorgungswerke sind institutionelle Anleger – bauen ihre alternativen Anlagen weiter aus. Nach einem aktuellen Beitrag von Institutional Money steigt insbesondere das Interesse an Private Debt. Jeder zweite Investor in dieser Anlageklasse will seine Quote erhöhen – obwohl sich die Einschätzung des Marktumfelds gegenüber dem Vorjahr eingetrübt hat.
Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Diskussionen über Verluste bei illiquiden Anlagen ist das bemerkenswert.
Was ist Private Debt bzw. Private Credit?
Private Debt – häufig auch Private Credit genannt – sind Kredite außerhalb des klassischen Bank- und Anleihemarktes. Vereinfacht gesagt: Ein Fonds oder institutioneller Anleger leiht Unternehmen direkt Geld und erhält dafür Zinsen.
Der Internationale Währungsfonds definiert Private Credit entsprechend als Unternehmenskredite, die von Nichtbanken außerhalb öffentlich gehandelter Wertpapiermärkte vergeben werden.
Solche Anlagen können höhere laufende Erträge und individuell ausgehandelte Kreditbedingungen bieten. Gleichzeitig sind sie meist nicht täglich handelbar, und ihre Werte werden nicht fortlaufend an einer Börse festgestellt.
Genau darin liegt ein Punkt, der bei der Risikobetrachtung wichtig ist.
Weniger Kursschwankung heißt nicht automatisch weniger Risiko
Bei einer börsengehandelten Anleihe werden Veränderungen der Bonität oder des Marktumfelds relativ schnell im Kurs sichtbar.
Private Kredite werden dagegen häufig nur in größeren Abständen bewertet. Der IWF weist darauf hin, dass solche Kredite kaum gehandelt werden und Bewertungen daher teilweise nur quartalsweise anhand von Modellen erfolgen. Dadurch können Bewertungen verzögert oder stärker von Annahmen abhängig sein.
Geringe ausgewiesene Schwankungen bedeuten deshalb nicht zwangsläufig geringes wirtschaftliches Risiko.
Was haben die jüngsten Verlustfälle damit zu tun?
Die aktuellen Verluste mehrerer Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigungen zeigen, wie wichtig eine genaue Betrachtung der zugrunde liegenden Risiken ist.
Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung beliefen sich die bis August 2026 bekannt gewordenen Fehlinvestitionen in Verius-Immobilienfonds auf knapp 220 Millionen Euro. In späteren Bilanzen der Fonds fanden sich überwiegend Investments mit Verzinsungen von 15 bis 18 Prozent. Der Verkaufsprospekt wies ausdrücklich auch auf die Möglichkeit eines teilweisen oder vollständigen Kapitalverlustes hin.
Diese Immobilienfinanzierungen sollte man allerdings nicht mit dem gesamten Private-Credit-Markt gleichsetzen. Private Credit umfasst sehr unterschiedliche Kreditnehmer, Besicherungen, Rangstellungen und Risikostrukturen.
Gerade deshalb reicht die Bezeichnung „Private Debt“ allein nicht aus, um das Risiko einer Anlage zu beurteilen.
Was bedeutet das für Versorgungswerke?
Für Versorgungswerke ist daher weniger entscheidend, ob Private Credit grundsätzlich „gut“ oder „schlecht“ ist.
Wichtiger sind Fragen wie:
- Wie kreditwürdig sind die Schuldner?
- Wie sind die Kredite besichert?
- Wie realistisch sind die Bewertungen?
- Wie schnell kann Kapital verfügbar gemacht werden?
- Und wie passen langfristig gebundene Anlagen zu den laufenden Rentenzahlungen?
Die steigenden Private-Debt-Quoten institutioneller Anleger zeigen, dass die Anlageklasse offenbar weiterhin als attraktiv angesehen wird. Sie machen Private Credit aber nicht automatisch risikoarm.
Umgekehrt beweisen einzelne hohe Verluste auch nicht, dass Private Credit grundsätzlich ungeeignet wäre.
Die entscheidende Frage bleibt vielmehr: Welche Risiken werden tatsächlich übernommen – und wie gut passen sie zur Liquiditäts- und Verpflichtungsstruktur eines Versorgungswerks?
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Ausgangspunkt dieses Beitrags:
Institutional Money: „Institutionelle erhöhen Alternative Investments auf über 32 Prozent“







